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03.03.2017 Wieder zu Hause

Am Samstag ist der Unfall passiert, am Montag bin ich ins Krankenhaus gegangen und operiert worden, am Freitag war ich nach der Krankenhausentlassung zum ersten Mal beim Neurologen und durfte dann nach Hause.

Ich hatte im Krankenhaus furchtbar schlecht geschlafen und freute mich so sehr auf mein Bett. Ich freute mich auf meine Familie und auf alle Abläufe zu Hause. Das Essen war im Krankenhaus total o. k. gewesen, aber natürlich wünschte ich mir sehr, wieder zu Hause zu essen. Alles Dinge, die Vertrautheit und Normalität ausstrahlen.

Der Kopf sagt, es wird alles anders sein. Die Emotion und die Gewohnheit suggerieren, es wird alles sein wie immer. Ich bin nach Hause gekommen und habe den Schock des Andersseins erlebt. Alle kümmern sich, es fühlt sich wunderbar an, alle freuen sich, aber es ist nichts, wie es war.

Die Nächte waren die reine Hölle.

Ich konnte fast nichts alleine. Bei allem brauchte ich Unterstützung. Essen machte keinen Spaß wie sonst, ich konnte es ja nicht selbst kochen. Mit Besteck umgehen, am Tisch sitzen mit der Orthese vor dem Bauch war auch eine große Herausforderung. Ich konnte nur kurzzeitig sitzen, da mein Körper sich seltsam spiralig verdreht anfühlte. Ich spürte eine starke Spannung im gesamten Oberkörper.

Unfallschock, Narkose und Krankenhausaufenthalt wirkten noch lange nach. Ich fühlte mich beständig matschig, wie in einem Tunnel, unwirklich, schwach, müde.

Ich wusste nicht, dass es nach so einer großen Verletzung normal ist, dass die Schlafphasen extrem verkürzt sind. Ich habe am Stück 1,5 Stunden geschlafen. Bis zum Ablegen der Orthese schlief ich nur auf dem Rücken. Ich wusste auch nicht, dass das Schmerzempfinden in der Nacht sehr viel deutlicher ist. Wundschmerzen waren weniger schlimm als Nervenschmerzen. Wundschmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln bekämpfen, Nervenschmerzen nicht. Nervenschmerzen kommen völlig unberechenbar, die Stelle und die Intensität betreffend. Man ist ausgeliefert.

Ich bin in der Nacht durchs Haus gewandert, habe Tee gekocht, aus dem Fenster geschaut. Ich habe auch nachts Musik gehört, mich auf dem Sofa in die Wolldecke gewickelt. Nachts geht die Zeit nicht vorbei. Ich habe wieder eine Stunde geschlafen, ich war wieder wach.

Tagsüber hatte ich Angst vor der Nacht. Es war die helle Verzweiflung.

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